Schriftgröße: Schriftgröße: klein Schriftgröße: mittel Schriftgröße: groß
DeutschDeutsch FrançaisFrançais
Orthoptics

Strabismus/Schielen

Schielen ist eine Fehlstellung der Augen welche offensichtlich (manifest) oder versteckt (latent) auftreten kann.

 

 

Verstecktes Schielen, latentes Schielen, Heterophorie

Ein Schielen kann latent sein, das heiss, dass wenn beide Augen offen sind werden die visuellen Axen parallel gehalten durch die Fusion (motorisch und sensorisch).

Wenn man die Fusion (Zusammenarbeit) durch abdecken eines Auges unterbricht, kommt das latente Schielen (Heterophorie) zum Vorschein. Ein latentes Schielen ist häufig (80 - 90% der Bevölkerung) und bereitet meistens keine Beschwerden.

Wird nun das beidäugige Sehen durch Abdecken eines Auges unterbrochen, kann das abgedeckte Auge von der Nullstellung abweichen. Durch das von Natur aus gute Zusammenspiel der Augen richten sich diese wieder korrekt auf das angeschaute Objekt aus, sobald das abgedeckte Auge wieder aufgedeckt wird.

Bei manchen Leuten funktioniert dieses Ausrichten jedoch nicht mehr problemlos. Je nach Grösse oder Richtung der latenten Abweichung können Beschwerden wie Kopfschmerzen (vor allem abends), Fokusstörungen, Augenkneifen, häufiges Blinzeln, gelegentliches Doppeltsehen oder andere Symptome auftreten.

Die Orthoptistin wird je nach Abweichung eine Behandlung mit Übungen, eine Prismenkorrektur oder allenfalls eine chirurgische Therapie vorschlagen.

 

 

Manifestes Schielen, Strabismus, Heterotropie

Beim manifesten Schielen (Heterotropie) fixiert ein Auge ein Objekt, währenddem das andere Auge abweicht und am Objekt vorbeischaut. Das abweichen kann gegen innen (Strabismus convergens), aussen (Strabismus divergens), oben/unten (Hypertropie/Hypotropie) oder um die eigene Achse (Zyklotropie) sein.

Hier im Bild ein alternierendes Einwärtsschielen,


alternierende Esotropie; wechselseitiges Innenschielen; Strabismus alternans (928)

(Giessener Ophtalmologischer Bildatlas)

 

gegen aussen (Strabismus divergens),


Außenschielen, Strabismus divergens (934)

(Giessener Ophtalmologischer Bildatlas)

 

Auch kombinierte Formen sind möglich.

Die Abweichung kann konstant oder auch zeitweise (intermittierend), immer mit dem selben Auge oder abwechselnd auftreten.

Es gibt eine Form vom manifesten Schielen, die von einem Laien nicht erkannt werden kann. Es ist das Mikroschielen (Mikrostrabismus). Die Abweichung des Schielauges ist so klein, dass der Strabismus ästhetisch nicht auffällt. Jedoch kann auch bei einem Mikroschielen eine therapiebedürftige Amblyopie (Schwachsichtigkeit) vorkommen. Die Zusammenarbeit der Augen ist, im Gegensatz zu einem grosswinkligen, angeborenen Schielen, möglich (mit beiden Augen können Distanzen besser abgeschätz werden können als mit einem).

 

Behandlung

Das erste Ziel der Behandlung besteht darin, eine altersentsprechende und symmetrische Sehschärfe zu erreichen, das heisst eine Schachsichtigkeit (Amblyopie) zu therapieren.

Um eine gute Sehschärfe zu erreichen, muss zuerst die eventuell vorhandene Fehlsichtigkeit durch eine Brille korrigiert werden und eine organische Ursache ausgeschlossen werden. Falls danach bei der orthoptischen Untersuchung eine Schwachsichtigkeit festgestellt wird, reicht das Tragen der Brille nicht und eine Amblyopie-Therapie muss angefangen werden.

Bei gewissen Schielformen wird der Schielwinkel erheblich kleiner mit dem Tragen der Brille (akkommodatives Schielen). Jedoch bewahrt dies auch nicht vor der Amblyopie-Therapie, falls eine Schwachsichtigkeit vorhanden ist.


Die Therapie der Schwachsichtigkeit hat immer Priorität!


Eine Augenmuskeloperation wird bei störendem Schielwinkel oder zur Wiederherstellung allfälliger Zusammenarbeit der Augen (Binokularsehen, Stereosehen, Tiefensehen) durchgeführt. Dabei wird immer vom Befund mit der eigenen Brille ausgegangen. Fällt das Schielen beim Kind nur ohne Brille auf, ist die Brille und nicht die Operation die richtige Therapie.

 

Die Operation

Dabei werden die äusseren Augenmuskeln (jedes Auge besitzt 4 gerade und 2 schräge Augenmuskeln) in ihrer Wirkung verstärkt oder abgeschwächt, so dass die Augenstellung verbessert wird. Die Operation wird heutzutage in den meisten Fällen in Vollnarkose und ambulant durchgeführt.

Ziel der Augenmuskeloperation:

  • Funktionell, um ein normales oder teilausgebildetes beidäugiges Sehen mit plastischem Sehen wieder zu ermöglichen
  • Ästhetisch, mit einem wichtigen psychologischen Aspekt
     

Für die Korrektur grosser Schielwinkel oder komplizierterer Abweichungen kann mehr als eine Operation notwendig sein.